Vitamin D

Vitamin-D-Leitfaden

Vitamin D & die Sonne

Wissenschaftlich fundierte Antworten auf häufige Fragen

Die Sonne und Vitamin D

Warum Sonnenwinkel, UV-Index und Glas eine Rolle spielen

EmpfohlenWarum erzeugt nur UVB Vitamin D, nicht UVA?

Ultraviolette Strahlung unterteilt sich in UVA (315–400 nm) und UVB (280–315 nm). Nur UVB im engen Band von 290–315 nm trägt genug Energie, um 7-Dehydrocholesterin in der Haut zu Prä-Vitamin D3 zu isomerisieren. UVA-Strahlen haben eine längere Wellenlänge und niedrigere Energie — sie dringen tiefer ein (verursachen Bräunung und Hautalterung), können aber nicht die photochemische Reaktion auslösen, die die Vitamin-D-Synthese startet. Deshalb erzeugen Solarien, die hauptsächlich UVA emittieren, auch kein Vitamin D.

Warum spielt der Sonnenwinkel eine Rolle? Was passiert im Winter?

Der Winkel der Sonne über dem Horizont bestimmt, wie viel Atmosphäre UVB durchqueren muss, bevor es deine Haut erreicht. Bei flachen Winkeln — früh morgens, spät nachmittags oder zu jeder Tages- und Jahreszeit im Winter oberhalb von ca. 35° Breite — wird UVB fast vollständig von der Ozonschicht absorbiert und erreicht die Erdoberfläche nicht. Die ‚Schattenregel' fasst dies treffend zusammen: Ist dein Schatten länger als deine Körpergröße, ist UVB zu schwach für die Vitamin-D-Synthese. Im Winter ist diese Bedingung in nördlichen Breiten monatelang den ganzen Tag über erfüllt. Unterhalb von UVI 3 ist die produzierte Menge selbst bei langer Exposition vernachlässigbar.

Warum funktioniert es nicht durch Glas?

Normales Fensterglas und Windschutzscheiben blockieren fast das gesamte UVB, lassen jedoch den Großteil des UVA und des sichtbaren Lichts durch. Das bedeutet: Du kannst an einem sonnigen Fenster sitzen und bräunen — UVA gelangt hindurch —, aber du kannst kein Vitamin D synthetisieren. Nur spezielles Quarzglas, das in manchen medizinischen UV-Geräten verwendet wird, lässt UVB durch. Die praktische Konsequenz: Die wohlige Wintersonne durch dein Bürofenster tut gut, trägt aber nichts zu deinem Vitamin-D-Spiegel bei.

Was bedeutet der UV-Index, und warum verwendet die App 3 als Mindestwert?

Der UV-Index (UVI) ist ein internationaler Standard, der die erythemgewichtete UV-Intensität auf Bodenniveau misst. Er reicht von 0 (keine Strahlung) bis 11+ (extrem). Die App verwendet UVI ≥ 3 als Syntheseschwelle, weil unterhalb dieses Wertes die UVB-Intensität für eine nennenswerte Vitamin-D-Produktion zu gering ist — unabhängig davon, wie lange du draußen bleibst. Diese Schwelle stimmt mit den Forschungsergebnissen von Holick und Kollegen überein. Die dafür nötige Sonnenhöhe ist nicht fest: Sie hängt vom Ozon ab, das mit Breitengrad und Jahreszeit schwankt, und reicht von etwa 29° bis etwa 42°.

Unterdrücken Wolken UVB vollständig?

Nicht vollständig. Dichte Bewölkung reduziert UVB um 70–90 %; dünne oder aufgelockerte Bewölkung um etwa 20–50 %. Paradoxerweise können bestimmte aufgelockerte Wolkenformationen UV streuen und die UVB-Intensität am Boden kurzzeitig über den Wert bei klarem Himmel anheben. Die App verwendet bei Verfügbarkeit reale UV-Daten von Open-Meteo, sodass die angezeigten Minuten bereits die aktuellen Wolkenbedingungen berücksichtigen — keine manuelle Anpassung nötig.

Brauche ich direktes Sonnenlicht auf der Haut?

Ja. Für die Vitamin-D-Synthese ist eine direkte UVB-Exposition auf nackter Haut erforderlich. Kleidung blockiert den Großteil der UVB-Strahlung, selbst dünne Stoffe. Im Schatten — unter einem Baum oder einer Markise — ist die diffuse UVB-Strahlung minimal und für eine nennenswerte Synthese unzureichend. Sonnencreme mit LSF 30+ reduziert die Synthese um ca. 95 %; die praktische Empfehlung ist, die ersten 10–20 Minuten ohne Schutz in die Sonne zu gehen (je nach Hauttyp) und danach einzucremen. Wichtig: Für andere Vorteile wie Stickstoffmonoxid-Freisetzung, zirkadianen Rhythmus und Serotoninproduktion ist direktes Sonnenlicht NICHT erforderlich — allein der Aufenthalt im Freien an einem hellen Tag hilft bereits. Für Vitamin D ist jedoch nackte Haut im direkten Sonnenlicht nötig.

Blockiert Körperbehaarung UVB und reduziert sie die Vitamin-D-Synthese?

Ja, aber nur geringfügig. Körperbehaarung wirkt als physische Barriere gegen UVB-Strahlung. Die Forschung von Galvez et al. (2015) quantifizierte einen ‚Haar-UV-Schutzfaktor': spärliche, feine Körperbehaarung entspricht etwa LSF 1–3, während sehr dichtes, dunkles Terminalhaar LSF 2–4+ erreichen kann. Eine Monte-Carlo-Simulation von Huang et al. (2020) zeigte, dass das Rasieren der Gliedmaßen die UV-Transmission zu follikulären Stammzellen von etwa 5 % auf 20 % erhöht, was auf eine signifikante Abschwächung durch die Körperbehaarung hinweist — dies wird allerdings in der Tiefe gemessen und lässt sich nicht direkt in eine entsprechende UVB-Reduktion an der Hautoberfläche übersetzen. Allerdings hat keine klinische Studie den Einfluss der Körperbehaarung auf den 25(OH)D-Serumspiegel direkt gemessen. Die wichtigsten wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten zu den Determinanten der Vitamin-D-Photosynthese — darunter Neville et al. (2021) — führen Körperbehaarung nicht als signifikanten Faktor auf. In der Praxis sind die am stärksten behaarten Bereiche (Brust, Rücken) ohnehin meist von Kleidung bedeckt, und der Effekt auf typischerweise freiliegende Bereiche wie Unterarme und Unterschenkel ist gering (LSF 1–2). Die App enthält keine Anpassung für Körperbehaarung, da der Effekt im Vergleich zu Hauttyp, UV-Index, exponierter Körperfläche und Alter gering ist — und bereits teilweise durch den Parameter der Körperfläche erfasst wird.

Sind 10 Minuten Sonne am Stück dasselbe wie 10 × 1 Minute?

Für die Vitamin-D-Synthese in der Praxis ja — sofern der UV-Index in jedem Abschnitt ähnlich ist. Die Haut integriert die gesamte UVB-Dosis nach dem Reziprozitätsgesetz von Bunsen–Roscoe: Die Photoreaktion hängt vom Produkt aus Intensität × Zeit ab, nicht von der Aufteilung. In-vivo-Studien bestätigen, dass äquivalente Anstiege von Vitamin D3 mit hohen Bestrahlungsstärken über kurze Zeiträume oder mit niedrigen Bestrahlungsstärken über lange Zeiträume erreicht werden. Drei wichtige Einschränkungen. Erstens, die Sättigungsgrenze pro Sitzung: Prävitamin D3 erreicht sein kutanes Maximum bei etwa einem Drittel der minimalen Erythemdosis (MED), und bei 1 MED stoppt die Synthese, weil UVB Prävitamin D3 in inerte Verbindungen (Lumisterin und Tachysterin) umwandelt. Wird diese Grenze in einer einzigen langen Sitzung überschritten, fügen weitere Minuten kein Vitamin D mehr hinzu — nur Verbrennungsrisiko; zehn Ein-Minuten-Sitzungen erreichen die Sättigung dagegen nie. Zweitens, die UVI-Mindestschwelle: ein messbarer Anstieg des Serum-25-OH-D erfordert etwa 18–20 mJ/cm² UVB, was etwa UVI ≥ 3 entspricht, sodass darunter auch das Anhäufen von Minuten zu keiner nennenswerten Vitamin-D-Synthese führt. Drittens, die thermische Kinetik ist langsam: die Umwandlung von Prävitamin D3 in Vitamin D3 hat bei Hauttemperatur eine Halbwertszeit von ~2,5 h und ist nach ~8 h abgeschlossen, sodass das tagsüber gebildete Vitamin D nach Ende der Exposition weiter entsteht. Praktische Schlussfolgerung: Wiederholte suberythemale Expositionen erzeugen dasselbe Vitamin D mit weniger DNA-Schäden als eine einzige lange Sitzung — genau dieses Muster empfehlen die medizinischen Leitlinien (Holick 2007; Übersicht von Neville et al., JBMR Plus 2021).

Ist es besser, wenig Haut lange oder viel Haut kurz zu exponieren?

Für dieselbe Menge Vitamin D ist es fast immer besser, mehr Haut kürzer zu exponieren — effizienter und weniger schädlich. Der Grund: Die Vitamin-D-Produktion pro Hautstelle sättigt sich — Prävitamin D3 zerfällt photochemisch zu inertem Lumisterol und Tachysterol, sodass jede Hautfläche eine Obergrenze hat, egal wie lange man draußen bleibt. Diese Grenze skaliert mit der exponierten Fläche, nicht mit der Bräune: etwa ~19.000 IE für den ganzen Körper bei 1 MED, also ~1.900 IE für 10 % des Körpers (Gesicht + Hände) gegenüber ~7.700 IE für 40 % (Badekleidung). Bei sehr wenig freiliegender Haut kann es physisch unmöglich sein, ein Ziel von 2.000 IE in einer einzigen Sitzung zu erreichen, während man es mit mehr Haut in wenigen suberythemalen Minuten schafft. Das Gesundheitsargument folgt derselben Logik: Das Vitamin D pro Minute an einer bereits dosierten Stelle sinkt (Sättigung), aber der DNA-Schaden pro Minute bleibt in etwa konstant, sodass das Verhältnis Vitamin-D/Schaden bei niedrigen Dosen pro Stelle am besten ist. Sonnenbrand hängt von der lokalen Dosis im Verhältnis zur Minimalen Erythemdosis (MED) ab, unabhängig von der Fläche — eine Dosis auf einer kleinen Stelle zu konzentrieren treibt sie in Richtung oder über 1 MED (Verbrennung), während die Verteilung derselben Gesamtmenge auf mehr Haut jede Stelle deutlich unter ihrer Schwelle hält (keine Verbrennung). Genau deshalb empfehlen Leitlinien ~¼–½ MED über eine große Körperfläche, ein paar Mal pro Woche. Zwei Extras sprechen für mehr Haut: Exponierte Haut setzt unter UVA Stickstoffmonoxid frei, das den Blutdruck senkt, und das skaliert mit der Fläche, nicht mit dem Vitamin D; und die Exposition auf eine Stelle zu konzentrieren bräunt sie, erhöht ihre MED und macht sie über wiederholte Sitzungen zunehmend ineffizienter. Der einzige Fall für „wenig Haut, lange“ ist praktischer Natur — wenn Kleidung oder Kontext es nicht erlauben, mehr freizulegen — und selbst dann erreicht man das Ziel oft nicht auf einmal.

Sonne vs. Nahrungsergänzung

Wie die Sonnensynthese mit oralem Vitamin D verglichen wird

EmpfohlenWie viel Vitamin D kann ich in der Sonne im Vergleich zu einer Kapsel produzieren?

Eine Ganzkörperexposition von 1 MED (Minimale Erythemdosis — kurz vor einer leichten Rötung) erzeugt etwa 10.000–25.000 IE Vitamin D. Eine Standard-Nahrungsergänzungskapsel enthält 400–2.000 IE. Eine 15–20-minütige Mittagssitzung im Sommer mit exponierten Armen und Beinen kann leicht eine ganze Woche typischer Supplementierung übertreffen. Allerdings verfügt die Sonne über einen eingebauten Sicherheitsmechanismus (Photodegradation), der eine Überdosierung verhindert — eine Schutzfunktion, die oralen Nahrungsergänzungsmitteln fehlt.

Kann ich durch die Sonne eine Überdosierung erleiden?

Nein. Die Sonnensynthese ist selbstlimitierend. Sobald sich Prä-Vitamin D3 in der Haut anreichert, wandelt weiteres UVB es in inerte Verbindungen um — Lumisterol und Tachysterol — anstatt weitere Mengen aufzubauen. Diese Photodegradationsgrenze bedeutet, dass dein Körper durch Sonnenexposition niemals toxische Mengen produziert, egal wie lange du draußen bist. Deshalb gilt die tolerierbare Obergrenze des IOM von 4.000 IE/Tag speziell für die orale Supplementierung, nicht für Sonnenlicht.

Ist die Sonne besser als Supplementierung?

Beides hat echte Vorteile. Sonnenproduziiertes D3 ist an Hautproteine gebunden und wird langsam in den Blutkreislauf abgegeben, was ihm eine längere Halbwertszeit verleiht als oralem D3. Sonnenexposition liefert außerdem UVA-bedingte Stickstoffmonoxid-Freisetzung, zirkadiane Lichtsignale und andere Vorteile, die keine Kapsel ersetzen kann. Orales D3 hingegen ist kontrollierbar, dosisgenau und das ganze Jahr über verfügbar. Die praktische Antwort: Nutze die Sonne, wenn die Bedingungen es erlauben, und supplementiere, wenn nicht — beides ergänzt sich.

D3 oder D2 als Nahrungsergänzung?

D3 (Cholecalciferol) ist deutlich wirksamer als D2 (Ergocalciferol) bei der Erhöhung und Aufrechterhaltung des 25-OH-D-Blutspiegels — Forschungsergebnisse legen nahe, dass D3 pro IE etwa 2–3-mal potenter ist. D3 ist auch die Form, die deine Haut produziert. D2, das aus pflanzlichen und pilzlichen Quellen gewonnen wird, wird in veganen Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt, schneidet bei äquivalenten Dosen aber schlechter ab als D3. Achte auf dem Etikett auf ‚Cholecalciferol'; veganes D3 aus Flechten ist ebenfalls erhältlich.

Welche Blutspiegel von 25-OH-D gelten als optimal?

Standardreferenzbereiche für den Serumspiegel von 25-Hydroxyvitamin D: Unter 20 ng/ml (50 nmol/l) gilt als Mangel; 20–30 ng/ml als unzureichend; 30–50 ng/ml als ausreichend. Die Endocrine Society hält 40–60 ng/ml für optimal im Hinblick auf nicht-skelettale Vorteile. Über 100 ng/ml (250 nmol/l) besteht durch Supplementierung ein Toxizitätsrisiko. Die meisten Menschen in nördlichen Breiten haben im Winter ohne Supplementierung Werte unter 20 ng/ml — ein weit verbreiteter, aber leicht behebbarer Mangel.

Richtig supplementieren

Kofaktoren, Einnahmezeit, Nahrungsquellen und Dosis

EmpfohlenD3 oder D2? Wie viel nehmen?

Wähle D3 (Cholecalciferol), es sei denn, du lebst vegan — in diesem Fall ist veganes D3 aus Flechten erhältlich. Für die meisten Erwachsenen: 1.000–2.000 IE/Tag bei regelmäßiger Sonnenexposition; 2.000–4.000 IE/Tag bei eingeschränkter Sonnenexposition. Die Obergrenze der Endocrine Society liegt bei 4.000 IE/Tag für Erwachsene aus Nahrungsergänzungsmitteln. Höhere Dosen zur Behebung eines Mangels sind möglich, sollten aber durch Bluttests gesteuert werden. Das Testen von 25-OH-D vor und nach 3 Monaten Supplementierung ist der beste Weg, deine persönlich wirksame Dosis zu finden.

Welche Rolle spielt K2 neben D3?

Vitamin D3 erhöht die Kalziumaufnahme aus dem Darm. Vitamin K2 — insbesondere die MK-7-Form — aktiviert zwei Proteine: Osteocalcin, das Kalzium in die Knochen einbaut, und das Matrix-Gla-Protein, das an der Regulierung von Kalzium im Weichgewebe beteiligt ist. In Beobachtungsstudien war eine höhere Menachinon-Zufuhr (K2) mit weniger arterieller Verkalkung assoziiert, auch wenn die Evidenz aus Interventionsstudien noch begrenzt ist. Natürliche K2-Quellen sind Natto, gereifter Hartkäse und Eigelb. Deshalb kombinieren viele Supplementierungsprotokolle D3 mit 100–200 µg MK-7, besonders bei höheren D3-Dosen.

Welche Rolle spielt Magnesium?

Magnesium ist ein Kofaktor beider Enzyme, die Vitamin D in seine aktiven Formen umwandeln (25-OH-D und dann 1,25-OH-D). Ohne ausreichend Magnesium kann supplementiertes D3 möglicherweise nicht richtig umgewandelt werden, und die Supplementierung kann den Magnesiumspiegel weiter senken und einen bestehenden Mangel verschlimmern. Schätzungsweise 50 % der westlichen Bevölkerung haben einen Magnesiummangel. Gute Nahrungsquellen: Kürbiskerne, dunkle Schokolade, Spinat, Mandeln, Avocado. Magnesiumglycinat- oder Malatpräparate werden gut vertragen, wenn die Nahrungsaufnahme gering ist.

Warum muss Vitamin D mit Fett eingenommen werden?

Vitamin D ist fettlöslich. Es benötigt Nahrungsfett im Darm, um Mizellen zu bilden — winzige Fett-Protein-Pakete, die das Vitamin durch die Darmwand in den Blutkreislauf transportieren. Studien zeigen, dass die Einnahme von D3 mit einer fetthaltigen Mahlzeit die Absorption im Vergleich zur Einnahme auf nüchternen Magen um 30–50 % steigert. Die praktische Regel: Nimm es zur fettreichsten Mahlzeit des Tages ein. Ein Esslöffel Olivenöl, eine Handvoll Nüsse oder eine Mahlzeit mit Lachs liefern ausreichend Fett. Dies gilt gleichermaßen für die Vitamine A, E und K2.

Welche Lebensmittel enthalten natürlich Vitamin D?

Nur sehr wenige Lebensmittel enthalten nennenswerte Mengen: Fettfische (Wildlachs 600–1.000 IE pro 100 g; Makrele, Sardinen, Hering), Lebertran (~400 IE pro Teelöffel, zudem reich an Vitamin A), Eigelb (~40 IE pro Stück, mehr wenn das Huhn UV-Exposition hatte), UV-exponierte Pilze (können 400+ IE pro 100 g liefern, wenn sie mit den Lamellen nach oben in der Sonne getrocknet werden) und Rinderleber (kleine Mengen). Angereicherte Lebensmittel (Milch, Cerealien, Pflanzenmilch) fügen je nach Land moderate Mengen hinzu. Die Ernährung allein kann den Bereich von 1.000–4.000 IE ohne Supplementierung realistisch nicht erreichen.

Was ist die beste Tageszeit zur Einnahme von Vitamin D?

Mit der größten Mahlzeit des Tages — in erster Linie wegen des Fettabsorptionsvorteils. Morgens oder mittags (zum Frühstück oder Mittagessen) wird generell dem Abend vorgezogen, da Vitamin D die Wachheit leicht steigern kann und einige Hinweise darauf hindeuten, dass eine abendliche Supplementierung die Melatoninproduktion leicht beeinträchtigen könnte. Dennoch ist Konsequenz weitaus wichtiger als der Zeitpunkt: Nimm es zu dem Zeitpunkt des Tages ein, an dem du es zuverlässig nicht vergessen wirst.

Die Sonne jenseits von Vitamin D

Stickstoffmonoxid, zirkadiane Rhythmen, Stimmung und Immunsystem

EmpfohlenWas ist Stickstoffmonoxid und was hat es mit der Sonne zu tun?

Stickstoffmonoxid (NO) ist ein Signalmolekül, das Blutgefäße erweitert, den Blutdruck senkt und die Durchblutung verbessert. Die Haut speichert große Mengen an Nitrit- und Nitrosothiolverbindungen, die innerhalb weniger Minuten nach UVA-Exposition NO in den Blutkreislauf freisetzen. Dies ist völlig unabhängig von der Vitamin-D-Synthese — es geschieht durch Glas, im Halbschatten und sogar im Winter, wenn kein UVB vorhanden ist. Forschungen der Gruppe von Richard Weller an der Universität Edinburgh legen nahe, dass die UVA-bedingte NO-Freisetzung die gut dokumentierte Assoziation zwischen Sonnenexposition und reduzierter kardiovaskulärer Sterblichkeit erklären könnte — über das hinaus, was Vitamin D allein erklären kann.

Wie beeinflusst Sonnenlicht den zirkadianen Rhythmus?

Licht ist der primäre Zeitgeber für die zirkadiane Uhr des Menschen. Morgensonnenlicht, reich an kurzwelligem blauem Licht (460–480 nm), signalisiert den retinalen Ganglienzellen, die wiederum dem suprachiasmatischen Nucleus (SCN) im Gehirn mitteilen, Melatonin zu unterdrücken und die Cortisol-Aufwachreaktion auszulösen. Dies verankert die 24-Stunden-Körperuhr. Unzureichende Morgenlichtexposition verzögert den Schlafbeginn, stört das Hormon-Timing und ist mit Stimmungsstörungen und metabolischen Funktionsstörungen assoziiert. Das ideale Zeitfenster sind die ersten 30–60 Minuten nach dem Aufwachen, im Freien — selbst an bewölkten Tagen ist das Tageslicht draußen typischerweise 10–50-mal heller als Innenbeleuchtung.

Wozu ist Morgendämmerungslicht nützlich, wenn es kein Vitamin D produziert?

Morgendämmerungslicht hat ein völlig anderes Spektralprofil als das Mittagssonnenlicht: Es ist reich an roten und nah-infraroten Wellenlängen (600–1.000 nm), mit wenig UVB und moderatem blauem Licht. Dieses Infrarotlicht dringt mehrere Zentimeter in das Gewebe ein und aktiviert Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien, verbessert die ATP-Produktion und die Zellenergie. Es baut auch das nächtliche Melatonin sanfter ab als intensives blaues Licht und erleichtert so den Übergang zum Wachsein. Rotlicht- und Nah-Infrarot-Therapiegeräte (Wellenlängen 630–850 nm) replizieren einen Teil dieses Spektrums für therapeutische Zwecke.

Gibt es eine Beziehung zwischen Sonne und Immunsystem jenseits von Vitamin D?

Ja. UV-Exposition moduliert die Immunfunktion unabhängig durch Mechanismen, die von Vitamin D getrennt sind: Sie induziert regulatorische T-Zellen und verändert antigenpräsentierende Zellen auf eine Weise, die Entzündungsreaktionen unterdrückt. Dies ist die Grundlage für die UV-Phototherapie, die klinisch bei Psoriasis, Ekzemen und Vitiligo eingesetzt wird. Einige Forscher verknüpfen diese breitere UV-Immunmodulation mit dem Breitengradgradienten bei der Prävalenz von Autoimmunerkrankungen — Multiple Sklerose, Typ-1-Diabetes und entzündliche Darmerkrankungen sind in höheren Breiten alle deutlich häufiger, ein Muster, das nur teilweise durch den Vitamin-D-Spiegel erklärt wird.

Beeinflusst Sonnenlicht die Stimmung? (Serotonin und Melatonin)

Deutlich. Helles Licht stimuliert die Serotoninproduktion über die Raphekerne im Hirnstamm — dieser Mechanismus ist die Grundlage der Lichttherapie als erstrangige Behandlung der Saisonalen Affektiven Störung (SAD). Serotonin ist auch die Vorstufe von Melatonin: Ausreichendes Serotonin tagsüber unterstützt eine bessere Melatoninproduktion in der Nacht und verbessert die Schlafqualität. Darüber hinaus löst helles Außenlicht eine Dopaminfreisetzung in der Netzhaut aus, die das Fortschreiten von Kurzsichtigkeit bei Kindern zu verlangsamen scheint. Bevölkerungsstudien zeigen konsistent Zusammenhänge zwischen Zeit im Freien, Stimmung und Schlafqualität, die weit über den Vitamin-D-Status hinausgehen.

Warum ändern sich die Zeiten von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang im Jahresverlauf so stark?

Weil die Erdachse um etwa 23,4° gegenüber der Umlaufbahn geneigt ist. Auf dem Weg um die Sonne ist jede Hemisphäre ein halbes Jahr lang ihr zugeneigt (die Tage werden länger) und ein halbes Jahr abgewandt (die Tage werden kürzer). Der Effekt wächst mit der geografischen Breite: Am Äquator schwankt die Tageslänge nur um Minuten, in Madrid pendelt sie zwischen rund 9 und 15 Stunden, und jenseits des Polarkreises erreicht sie die Extreme von Mitternachtssonne und Polarnacht. Zu den Tagundnachtgleichen im März und September dauert der Tag überall auf der Erde ~12 Stunden. Die Monatstabelle jeder Stadt und der Bereich „Entdecken“ zeigen diesen Zyklus für jeden Ort und jeden Tag.

Was ist die goldene Stunde und warum ist ihr Licht so warm?

Das ist die Zeitspanne, in der die Sonne weniger als ~6° über dem Horizont steht: ungefähr die letzte Stunde vor dem Sonnenuntergang und die erste nach dem Sonnenaufgang. Steht die Sonne so tief, durchquert das Licht viel mehr Atmosphäre, und die Rayleigh-Streuung filtert fast das gesamte Blau heraus — übrig bleiben Rot- und Orangetöne mit langen, weichen Schatten. Es ist das Lieblingslicht von Fotografen und Filmemachern und im Sommer ein angenehmes Zeitfenster für Spaziergänge oder Sport im Freien, weil Hitze und Strahlung deutlich geringer sind als mittags. Die App zeigt die goldene Stunde jedes Tages im Sonnenpanel.

Kann ich während der goldenen Stunde Vitamin D bilden?

Praktisch nicht. Die Synthese braucht UVB, und UVB ist genau der Teil des Spektrums, der bei tief stehender Sonne am stärksten gefiltert wird: Der Weg des Lichts durch Atmosphäre und Ozonschicht wird so lang, dass kaum noch UVB die Haut erreicht. Deshalb berechnet die App das Synthesefenster aus der Sonnenhöhe und nicht aus den Tageslichtstunden: Ein Tag kann 15 Sonnenstunden haben, von denen nur 6–8 für Vitamin D nutzbar sind. Die goldene Stunde liefert trotzdem den Rest: das Lichtsignal für den zirkadianen Rhythmus, die Stimmung und die roten und infraroten Wellenlängen aus den vorigen Fragen.

Was sind Mitternachtssonne und Polarnacht?

Jenseits der Polarkreise (ab ~66,6° Breite) führt die Neigung der Erde dazu, dass die Sonne im Hochsommer nicht untergeht (Mitternachtssonne) und im tiefsten Winter nicht aufgeht (Polarnacht). Je näher am Pol, desto länger dauert das Phänomen: In Tromsø oder auf Spitzbergen sind es ganze Wochen oder Monate. Die App weist im Sonnenpanel darauf hin, wenn es so weit ist — und im langen Polarwinter kann Vitamin D nur aus der Ernährung oder über Nahrungsergänzung kommen.